Für eine Kultur des Willkommenheißens / Ein Kommentar des Kreisvorsitzenden Ralf Borngräber

Auch bei uns im Landkreis Rotenburg gibt es noch Barrieren, die das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung im Alltag erschweren, liebe Leserinnen und Leser. Trotz vieler guter Aktivitäten auf Landkreis- und Gemeindeebene, trotz der Konvention der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen und trotz Aktionsplänen von Bund und Land zur Umsetzung dieser Konvention.

Ralf Borngräber in seinem Büro in Rotenburg.

Wer zum Beispiel auf einen Rollstuhl angewiesen ist, hat es schwerer als andere bei der Suche nach einem Arbeitsplatz. Rollstuhlgerechte Arbeitsplätze sind keine Selbstverständlichkeit.

Wenn sich aber Menschen mit und ohne Behinderungen kaum begegnen, entsteht ein Nährboden für Berührungsängste und Vorurteile. Wir Politiker müssen daher unseren Teil dazu beitragen, dass Rahmenbedingungen dafür entstehen, dass Menschen mit und ohne Behinderungen im Alltag ganz selbstverständlich miteinander zu tun haben. Das gilt insbesondere auch für Schulen.

Regionale Integrationskonzepte (RIK) und das „Lernen unter einem Dach“ gibt es im Landkreis Rotenburg bereits seit vielen Jahren. Der Landtag hat in diesem Jahr parteiübergreifend beschlossen, Inklusion ab dem Schuljahr 2013/14 an allen niedersächsischen Grundschulen und beginnend mit Klasse fünf auch an den weiterführenden Schulen Wirklichkeit werden zu lassen. Das ist ein weiterer wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen haben dann das Recht auf einen Platz in der allgemeinen Schule – so wie jedes andere Kind auch.

Inklusion geht damit sehr viel weiter als Integration. Wir müssen unsere innere Haltung neu justieren, liebe Mitbürgerin und lieber Mitbürger. An die Stelle der Frage, in welche Förderschule und Schublade Kinder und Jugendliche mit Behinderungen gesteckt werden sollten, wird eine Kultur des Willkommenheißens treten.

Denn damit wir wirklich vorankommen, darf Inklusion kein Sparmodell sein. Sie kostet Geld. So müssen beispielsweise alle Schulen, die noch nicht barrierefrei sind, entsprechend umgebaut werden. Und gute Betreuung und Förderung ist nicht zum Nulltarif zu haben. Dabei darf das Land die Kommunen nicht alleine lassen. Denn wir Landespolitiker haben die Schulen vor Ort zur Inklusion verpflichtet. Daher muss es selbstverständlich sein, die Schulträger und die Lehrerinnen und Lehrer jetzt auch in die Lage zu versetzen, dieser Vorgabe nachzukommen.

Bildlich gesprochen: Inklusion bedeutet nicht, nur einfach die Türen aufzumachen und die Menschen mit Behinderung hineinzulassen; sondern Inklusion bedeutet, Mauern zu verschieben, damit alle drin sein können. Das rechnet sich übrigens sogar volkswirtschaftlich. Eine Studie in Kanada hat nachgewiesen, dass der Ausschluss von behinderten Menschen vom Arbeitsmarkt das potentielle Bruttoinlandsprodukt um 7,7 Prozent mindert. Nachzulesen ist das unter „Inklusion“ bei Wikipedia. Surfen Sie bei Gelegenheit doch mal auf diese Seite.

Ihr Ralf Borngräber